Den folgenden Artikel habe ich vor 11 Jahren geschrieben, 65 Jahre nach dem Sieg der Sowjetunion über den Faschismus.

Damit hat die Sowjetunion wesentlich zur Befreiung Europas vom Faschismus beigetragen (außer Spanien und Portugal, die sich erst in den 1970er Jahren befreiten).

Auch wenn manche damals aktuellen Bezüge aus dem Jahr 2010 vielen nicht mehr ganz so präsent sein werden, manchmal sind die Parallelen frappierend.

Russland ist anders - Spassibo djed za Pobedi

65 Jahre danach: Gedanken zum 9. Mai 2010 in Belarus und Russland
Ich weiß, dass ich nichts weiß. Das ist wirklich beim näheren
Hinsehen ein sehr kluger Satz. Auch wenn er uns überliefert
wurde von einem griechischen Philosophen, der Agnostiker
war. Das bin ich nicht.
Jeder Computeranfänger ist nach einigen Schritten stolz, was
er schon kann und übersieht vielleicht schnell, was es da
noch alles zu wissen gibt. Und sagt dann wie jener Arbeits-
amtsberater: "Seit ich einen 10-ständigen Computerkurs ab-
solviert habe, sehe ich die Notwendigkeit 1-jähriger Compu-
terkurse doch sehr kritisch."
Erst wenn man einen etwas tieferen Einblick in ein Wissens-
gebiet hat, wird man etwas bescheidener, weil man plötzlich
sieht, was es da alles zu wissen gibt und dann sagt man res-
pektvoll: "Ich weiß, dass ich nichts weiß".
So ähnlich ging es mir mit Russland. Erst beim 2. großen
Besuch wurde mir allmählich klar, wie komplex das Thema
Russland ist, dass es sich einem schnellen Zugang ver-
schließt.
Wer bei einem Besuch die Schublade sucht, in die er Russ-
land und Belarus einsortieren kann, wird vielleicht seine Vor-
urteile bestätigen, aber noch nicht einmal ahnen, in welchem
Land er eigentlich gewesen ist. Viele fliegen mal schnell
nach St. Petersburg oder Moskau, wohnen ein paar Tage in
einem Hotel und glauben dann, sie hätten Russland gesehen.
Oder gar: sie würden es kennen. Belarus und Russland 25
Tage mit dem Fahrrad zu durchqueren ist schon etwas ganz
Anderes.
Trotzdem und deshalb noch einmal: Ich weiß, dass ich nichts
weiß. Verlangt bitte von mir kein Urteil, sondern haltet euch
selbst offen für diese Länder. So offen, wie die Menschen -
trotz allem, was gewesen ist - uns gegenübergetreten sind.
Und zu dem was gewesen ist, 65 Jahre danach ein paar Wor-
te. Es gab in den 80er Jahren in den 3. Fernseh-Programmen
eine Filmreihe "Der unbekannte Krieg": Der Titel stimmt lei-
der noch immer. Inzwischen steht es immerhin unter Strafe,
zu leugnen, dass 6 Millionen Menschen in Auschwitz und
den anderen über 1000 Lagern umgebracht wurden.
Aber wer weiß eigentlich, dass in deutscher Gefangenschaft,
in den KZs, mehr als 3 Millionen sowjetischer Soldaten er-
mordet wurden? Die Behandlung der sowjetischen Soldaten
war so grausam, dass andere KZ-Gefangene Brotkrumen
sammelten für ihre sowjetischen Mitgefangenen.
Wer weiß, dass die belarusische Hauptstadt Minsk vor dem
Krieg 250.000 Einwohner hatte, davon lebten nach dem
Krieg noch 50.000.
Tausende Dörfer und Städte, über die der Krieg zweimal
ging, wurden zerstört, dem Erdboden gleichgemacht, viele
auch nach dem Krieg nicht wieder aufgebaut, weil keiner
zurückkehrte, der sie wieder aufbauen konnte.
Das ist den Menschen in Belarus und Russland viel gegen-
wärtiger, als wir uns vorstellen können. Die von uns oft als
Rituale gesehenen Gedenkveranstaltungen, Denkmale usw.
sind in der Bevölkerung sehr tief verwurzelt, in allen Al-
tersgruppen und Bevölkerungsschichten. Jedes junge Paar
geht zur Gedenkstätte, am Hochzeitstag und schon vorher
und legt dort Blumen nieder.
Das hat einmal mehr der Denkmalsstreit in Estland gezeigt,
wo 30 % der Bevölkerung Russen sind und der in ganz Bela-
rus und Russland tiefe Empörung hervorrief. Die Stellung-
nahmen der EU dazu kann man bestenfalls als dumm, eher
aber als gefährlich bezeichnen. Sie erinnerten mich fatal an
die desaströse Jugoslawienpolitik der Bundesrepublik An-
fang der 90er.
In Moskau fuhr in diesen Tagen vor mir ein Auto, vom April-
Regenwetter ziemlich gleichmäßig verschmutzt und wie so
oft, konnte es sich jemand nicht verkneifen in die ver-
schmutzte Rückscheibe mit dem Finger einen Spruch zu
schreiben, doch dieser erstaunte mich einigermaßen:
"Spassibo djed za pobedi" stand da (Danke Großvater für
den Sieg).
40 Jahre lang war der 8. Mai für die Bundesdeutschen der
Tag der Kapitulation, der "Stunde Null" bis endlich 1985 ein
Bundespräsident den Mut fand, vom Tag der Befreiung zu
reden.
Haben wir uns eigentlich bedankt für diesen Sieg? Der doch
auch der unsere war - oder etwa doch nicht?
Unser Russlandbild (und das geht bis weit in die Linke und
in die Friedensbewegung) ist sehr einseitig.
Wir hatten uns irgendwie daran gewöhnt, dass es so oder so
- als Kommunist oder als Anhänger einer westlichen
Lebensweise - sehr einfach ist: hui oder pfui, je nach Stand-
punkt. Das hat noch nie so ganz gestimmt, Jetzt aber ist es
halt viel komplizierter geworden.
Die brutale Realität eines ungebremsten, kaum durch
Gesetze gezügelten Kapitalismus in Russland sehend, den
Mangel an demokratischer Beteiligung oder auch nur Betäti-
gungsmöglichkeit, trete ich dennoch ein - oder gerade des-
halb - für eine friedliche Außenpolitik und eine Politik der
Nichteinmischung gegenüber Russland und vor allem auch
Belarus.
Die Forderung von z. B. Kasparow, die EU solle mehr Druck
auf Russland ausüben, habe ich in Russland nirgendwo
gehört, im Gegenteil. Er fliegt im Privatjet von New York,
wo er wohnt, nach St. Peterburg und fordert die "Demokrati-
sierung" Russlands.Lukaschenko und Putin als Schachfiguren der EU und der
USA so hätten sie's gerne.
Nur Lukaschenko will nicht mitspielen und Putin hat etwas
andere Vorstellungen von seiner Rolle.
Dass im letzten Jahr etwas mildere Töne gegen Russland
(und auch sogar gegen Belarus) angeschlagen wurden, sollte
uns nicht beruhigen. Einerseits möchte man verhindern, dass
Russland allzu eng in die Arme Chinas getrieben wird, ande-
rerseits zwingen ökonomische Interessen zu diplomatischem
Vorgehen. Entsetzt musste man feststellen, dass die Politik
der Isolierung von Belarus (in unseren Medien völlig ver-
logen als "selbstgewählte" Isolation dargestellt) weitgehend
misslungen ist. Belarus stabilisierte sich wirtschaftlich und
politisch und der attraktive Markt drohte an andere
Konkurrenten (u. a. Venezuela, Kuba, Iran, China) verloren
zu gehen.
Entwarnung ist nicht angesagt. Ungeniert schreibt die CDU-
Außenpolitik-Postille "Internationale Politik" von einer
neuen Ära des Imperialismus. Aber sie tut das nicht etwa
kritisch. Die Bundeswehr soll sich dafür rüsten und "unsere"
Energieressourcen sichern. "Vielmehr muss die EU lernen,
ihre Interessen auf den Schauplätzen der Welt zu definieren
und durchzusetzen." (Pflüger)
den) die Analyse und historischen Erfahrungen des Imperia-
lismus, des 1. Weltkriegs in den Schatten des Vergessens ge-
raten. Was vor dem 1. Weltkrieg die praktisch vollendete
Aufteilung der Welt war und der Kampf um die Neuvertei-
lung, ist heute der Kampf um die in sehr absehbarer Zeit er-
schöpften Ressourcen. Im Norden von Minsk, am Neman
(deutsch: Memel) besuchten wir das Ergebnis dieser Politik:
deutsche Soldatengräber aus dem 1. Weltkrieg.
Unser Verhältnis zu Russland wird für unsere Außenpolitik,
mehr und mehr auch für unser ganzes Selbstverständnis kon-
stitutiv sein, es wird wieder die Frage sein, steuern wir auf
einen kalten Krieg zu - mit der ständigen Gefahr eines heißen
Krieges und allem anderen, was er an finsteren Begleiter-
scheinungen mit sich brachte - oder finden wir dieses mal
einen Weg, den unausweichlichen ökonomischen Konflikt
auf andere Weise auszutragen, ja sogar fruchtbar zu machen.
Finden wir einen Weg des konstruktiven Miteinanders, statt
des Nebeneinanders, öfter nur duldenden Über- und Unter-
einanders verschiedener Kulturen? Eine positive Antwort da-
rauf kann und muss die internationale Friedensbewegung
praktisch geben. Ob uns das gelingt, davon hängt unser
Überleben ab. Oder wie sollen wir aus der Spirale der Ge-
walt und Armut herauskommen?
Am 6. April besuchte die internationale Gruppe der Organi-
satoren der Friedensradfahrt aus Russland, Belarus und der
Bundesrepublik gemeinsam den Bundestag. (sh. Foto)
Mir fiel dabei die kurze Rede von Hermann Scheer ein: "Wir
sehen unten im Reichstag, im Sitz des Deutschen Bundes-
tages, das Ende des Zweiten Weltkrieges, der hier praktisch
beendet worden ist mit der Übernahme des Reichstagsgebäu-
des durch russische Soldaten, die dann ihren Gruß an die
Heimat an die Wand gemalt haben. Und das ist hier erhalten
geblieben als Mahnmal dafür, dass wir ohne völlig neue
Lösung der Verteilungsfrage und ohne völlig neue Lösung
der Umweltfrage, hin zu erneuerbaren Ressourcen, weg von
den erschöpflichen Ressourcen, die nicht für alles reichen.
Wenn wir das nicht machen, dann kommen Dinge, wie sie
hier ihr Ende gefunden haben im Zweiten Weltkrieg, in ir-
gendwelchen Formen immer wieder." (Unser Schirmherr,
MdB Hermann Scheer in dem Film Let's make MONEY).
Die Aufarbeitung der Bedeutung des 9. Mai ist in der heuti-
gen Bundesrepublik keineswegs geleistet und sie ist bitter
notwendig. Aber es besteht darüber hinaus die Gefahr, dass
hinter den monströsen und einmaligen Verbrechen des Fa-
schismus (deren Ursachen ja mehr und mehr verdunkelt wer-
Der Konflikt mit Russland ist vorprogrammiert, trotz der
Umwandlung Russlands in ein kapitalistisches Paradies.
Die ökonomischen Gegebenheiten, unsere Energievergeu-
dung bei gleichzeitig absehbarem Ende der Ressourcen, ge-
paart mit einer hemmungslosen Kriegsbereitschaft und einer
Überlegenheitsideologie sind ein sehr gefährliches Gebräu.
Der Papst hat bei seinem Besuch in Österreich vor 3 Jahren
Jürgen Habermas zitiert:"Die Idee der Menschenrechte leitet
sich ab aus der Moral des Judentums und der Gerech-
tigkeit/Barmherzigkeit des Christentums. Zu diesem Aus-
gangspunkt gibt es keine Alternative."
Das klingt erstmal ganz sympathisch. Der Papst engagiert
sich für die Menschenrechte und zitiert einen Linken. Ich
halte so eine Position für sehr, sehr gefährlich. Sie könnte
abermals eine Überlegenheitsideologie begründen und - viel-
leicht nicht Dieselben - könnten daraus die Begründung
basteln für die Notwendigkeit neuer Kriege.
Aber es ist nicht nur gefährlich. Es ist auch falsch und un-
gerecht. Wir verwechseln immer wieder Realität mit idealty-
pischen Theorien.
Die christliche Theorie mag ja durchaus Aussagen zu Mit-
menschlichkeit, Gerechtigkeit etc. enthalten, aber sie dienteder Begründung der Kreuzzüge, der Unterwerfung der Sach-
sen, der Inquisition und es ist unabweisbar, dass das Zögern
im antifaschistischen Widerstand bzw. sogar weithin die
kirchliche Unterstützung der Nazis mit der größeren geisti-
gen Nähe (im Vergleich zur Alternative - dem Kommunis-
mus) begründet wurde.
felhafte Weise von nicht einmal 25% der Stimmberechtigten
gewählt. Und der derzeitige enttäuscht seine Wähler auf der
ganzen Linie. "Yes, we can ???" Das Kapital zeigt im die
rote Linie, über die er nicht drüber darf,
Wählerwille ? Der Bundestag beschließt mit 80%-iger Mehr-
heit den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan. Laut
stabilen Umfragen sind 60 - 80 % der Bevölkerung dagegen.
Trotzdem reden wir von Demokratie, die man in Belarus
übernehmen müsse.
Putin hat Frau Merkel vor einiger Zeit ein paar gute Ant-
worten dazu gegeben, was nicht heißt, dass ich ihm da völlig
beipflichte, es gibt Demokratiedefizite in Russland, aber
diese Einseitigkeit und Überheblichkeit des Westens, die ist
überhaupt nicht angebracht.
Der ganze grässliche Kolonialismus, der Rassismus - noch
heute sind fünf mal mehr schwarze Menschen in den USA
eingekerkert als es ihrem Bevölkerungsanteil entspricht, (pro
1000 Einwohner sind 10mal mehr Menschen in den USA im
Gefängnis als in Deutschland oder Russland) ist Teil unserer
- westlichen - Realität.
Nur wer diese Realität ausblendet, kann dem Christentum die
Erfindung der Idee der Menschenrechte (oder zumindest
ihrer Grundlagen) andichten.
Das tut anderen Religionen ebenso unrecht wie insbesondere
humanistisch basierten Weltanschauungen.
Ich erlebe sogar bei Menschen in der Friedensbewegung,
dass sie "unsere" westlichen Vorstellungen von Demokratie
und Menschenrechten für alternativlos halten und dabei
ebenso Guantanamo, Abu Graibh, Kinder- und Frauenhandel,
Hartz 4 und die ganze Unkultur in unseren Medien einfach
für einen Moment übersehen und die Sharia (oder das, was
wir uns darunter vorstellen) umstandslos der Bergpredigt
gegenüberstellen.
Nur wer übersieht, dass die griechische Gesellschaft der
Antike eine Sklavenhaltergesellschaft war, kann doch ernst-
haft diese historische Phase als demokratisch bezeichnen.
Auch heute sind weite Teile der Bevölkerung in der west-
lichen Welt von demokratischer Teilhabe ausgeschlossen.
Der letzte amerikanische Präsident wurde auf äußerst zwei-
Die Menschen in Belarus und Russland sind uns sehr offen
gegenübergetreten. Oft hat man sogar den Eindruck, dass sie
ein unrealistisches Bild vor allem von Deutschland haben
("Eure Problem hätten wir mal gerne") Das ist verständlich.
Sie haben oft auch unrealistische Erwartungen über zu er-
wartende Hilfe und ehrliche Absichten der EU. Aber gleich-
zeitig sind sie doch auch sehr stolz (mit Recht) auf ihre Auf-
bauleistung, auf ihre Kultur, auch auf ihre Armee (deren Sieg
über den Faschismus, aber auch die heutige). Ein Vorfall, wie
der Untergang der Kursk wird über das menschliche Leid hi-
naus als nationale Tragödie empfunden.
Trotz der Entwicklung der letzten 20 Jahre: die russischen
Menschen leben viel mehr für ihren Staat, den sie dennoch
auch realistisch, manchmal resignierend sehen.
Den Titel für eine Vortragsreihe mit Bildern der Europä-
ischen Friedensradfahrt Paris - Moskau "Russland ist anders"
hatte ich eigentlich schon im Kopf während der zweiten
Friedensradfahrt 2007. Mich hatten die Vorurteile nicht we-
niger TeilnehmerInnen und ihre Versuche, sie bestätigt zu
bekommen, wo sie doch etwas anderes beobachteten, er-
schreckt und ich hatte mir vorgenommen, meinen Bericht
über die Friedensradfahrt unter diesen Titel zu stellen und die
Zuhörer und vielleicht zu künftigen Teilnehmer zuallererst
aufzufordern, sich zu öffnen und ihre aus aktuellen Fernseh-
berichten und einer 45 Jahre langen antikommunistischen
Kampagne entstandenen Vorurteile, ihr gesamtes negatives
Russlandbild einer gründlichen Überprüfung zu unterziehen.
Viel später entdeckte ich in einer 1988 erschienenen Repor-
tage des Mitarbeiters der britischen Botschaft in Moskau
Fitzroy Maclean "Portrait der UdSSR" diesen Satz als Zitat
des russischen Schriftstellers F.I. Tjutschew von 1866. (Tjut-
schew war 20 Jahre in München als Diplomat)Und hier noch ein Zitat daraus:
"Mit dem Verstand ist Russland nicht zu fassen,
gewöhnliches Maß misst es nicht aus:
Man muss ihm sein Besonderes lassen -
Das heißt, dass man an Russland glaubt."
Ja, Russland ist anders.
Anders als wir es uns vorstellen, anders als es in unseren
Medien dargestellt wird, anders, als wir es erwarten, wenn
wir dorthin fahren.
Einerseits ist Russland uns sehr verwandt: Christlich geprägt
noch immer, gemeinsame Wurzeln und Geschichte, ein Land
in dem die Deutschen, vor allem deutsche Kultur einen un-
geheuren Respekt genießt.
Andererseits ist dieses riesige Land uns doch sehr fremd und
verschließt sich jedem schnellen Urteil.
Diejenigen, die dazu gute Bücher geschrieben haben, ver-
zichten denn auch auf Urteile und schildern es einfach - in
seiner ganzen Widersprüchlichkeit. (z. B. Gabriele Krohne-
Schmalz: Was passiert in Russland")
den Grundlagen sowjetischer Politik gehörte, was ihnen den
Vorwurf des Verrats an der Weltrevolution einbrachte.
Unser Umgehen mit Russland besonders in unseren Medien
ist einfach inakzeptabel.
Man möge doch mal das Leben und die Rechte der russi-
schen Frauen vergleichen mit einer Frau einer niederen Kaste
in Indien.
Mit diesem Atomstaat Indien schlossen die USA Lieferver-
träge über angereichertes Uran. Einen Report zu den Men-
schenrechten und Lebensbedingungen in Indien habe ich
nicht gesehen. Auch keine Beschwerde von Frau Merkel.
Bei ihren Besuchen in Russland und China war das Pflicht.
Es ist einfach ziemlich unintelligent, anderen Ländern unsere
- ja durchaus sehr mangelhafte Regierungsform - einfach
überzustülpen. Das hat schon im Irak nicht geklappt und wer
ehrlich ist, es war auch gar nicht die Absicht gewesen.
"Es ist was es ist, sagt die Liebe". (Erich Fried) Darf man
Russland, wenn schon nicht Liebe, so doch Sympathie entge-
gen bringen?
Tschechow: "Wenn im ersten Akt ein Gewehr an der Wand
hängt, dann kannst Du davon ausgehen, dass man es spätes-
tens im dritten Akt benutzen wird."
Lasst uns die Gewehre von der Wand nehmen und zertrüm-
mern, so wie es die von der Ersten Friedensnobelpreisträge-
rin, Bertha von Suttner, gegründete Deutsche Friedensgesell-
schaft-Vereinigte Kriegsdienstgegner in ihrem Logo vor-
machen.
Was uns von den Russen unterscheidet, ist so ein schnelles
Urteil. Bevor wir überhaupt alles erfahren haben, ist unser
Urteil schon fertig. Wir nehmen die Realität gar nicht mehr
wahr, das Bild ist fertig, mehr müssen wir nicht wissen.
Die Russen wissen, wie die Realität ist, sie lassen sie so sein.
Man kann das als Resignation sehen, manchmal ist es das
auch. Das macht sie aber oft toleranter in einem durchaus po-
sitiven Sinn.
Russland hat niemals ein anderes Land überfallen, um ihm
seine Lebensart aufzuzwingen.
Wenn eines nach der Revolution von 1917 klar war - und mit
Trotzki ja kontrovers geklärt wurde - dann war es dies, dass
der Export der Revolution mit militärischen Mitteln nicht zu
Die Friedensradfahrt Paris - Moskau fährt dieses Jahr zum
fünften mal 4.000 km durch Europa mit einem Transparent in
russischer Sprache: "Njet Voine - Njet Fashizmu - Sosdadim
Mir bez Arushija" ("Nie wieder Krieg - Nie wieder Faschis-
mus - Frieden schaffen ohne Waffen.")
Völkerverständigung durch offene Begegnung, (z. B. ge-
meinsames miteinander Radfahren), Einsatz alternativer
Energien, die unsere Welt nicht verbrauchen, sondern scho-
nen, eine grundlegend andere Ökonomie, die dies zum Prin-
zip macht. Nur damit haben wir eine Zukunft.
Konni Schmidt
(Der Autor ist Initiator und Mitorganisator der Friedensrad-
fahrt Paris - Moskau, die in diesem Jahr zum 5. Mal mit ca.
50 RadfahrerInnen von Paris nach Moskau fährt. ND und
UZ berichteten mehrfach darüber.
Siehe auch www.bikeforpeace.net)